Tauschhandel
- Fidel Pfahl

- 3. Feb. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Mai 2025
Ein Pubbesuch ist ein angenehmer Tauschhandel.Für fünf Euro bekommst du mehr als ein New Castle Brown Ale. Du bekommst eine Eintrittskarte, einen Platz mitten in einem Film. Es ist Premiere, Uraufführung – und dein Platz ist mitten in der Suppe vor der Kamera, die dich nicht erreicht und nicht greift. Für nur fünf Euro kannst du grobe Darsteller, einige dramatische Figuren, ein paar Draufgänger oder einen verschrobenen Schreiberling sehen.
Ich nehme einfach Platz. Und während das Bier im Mund zu schäumen beginnt, zäh die Kehle hinunterrinnt und wässrige Kondensperlen vom Bierglas auf meinen neuen Anzug tropfen – den ich mir gekauft habe, um mich drei Wochen lang ein wenig ertragen zu können –, wundere ich mich nicht über die Nikotinstreifen an den Fensterscheiben, die dem Rauchverbotschild eine eigentümliche Ästhetik verleihen.
Ich spüre kaum die kalte Zugluft, die meine Nieren zum Brennen bringt, weil mein Platz neben der Tür ist – jener Tür, die von den vielen Darstellern und Schaulustigen immer wieder aufgestoßen wird. Ich genieße den Film.
Bald stoße ich mit allzu männlichen Fußballfans auf den Sieg einer mir völlig unbekannten Mannschaft an – oder trinke ein Ale aus Frust mit ihnen, weil der Abstieg sich drohend abzeichnet.
Später spüre ich vielleicht einen Anflug von Ehrgeiz aufflammen, wenn ein betagter Tennislehrer in seinem rosa Ralph-Lauren-Pullover und seinen unverschämt gutaussehenden 1953er-Gucci-Loafern neben mir im Film Platz nimmt. Ich stelle mir vor, dass er wieder seine talentierte Schülerin an seiner Seite hat und dass zwischen beiden immer noch sanft die Leidenschaft kitzelt – eine Leidenschaft, die das Prickeln ihres Aperol Spritz übersteigt. Vielleicht könnte ich ihm sein Liebchen ausspannen, aber mein Ticket erlaubt mir nicht einzugreifen. Ehrgeiz hin oder her.
Der Tisch klebt, weil die junge, schüchterne Kellnerin keinen Bierdeckel unter das kurze Tischbein geschoben hat. Sie ist eine von denen, die ihren Platz in diesem Film noch finden müssen. Doch einen Platz zwischen Trinkern, Versagern, Arbeitern, Fans, Tennisspielern und schrägen Vögeln wie mir zu ergattern, ist schwer. Sie wird ihren Platz dennoch finden – oder zurück an den Campus fliehen. Ich habe für meinen Platz hier lediglich fünf Euro gezahlt. Und wenn ich am Ende der Vorstellung fünfzig auf den Tresen legen muss und mich auf dem Weg zum Zug vom vielen Nikotin übergeben muss, dann war es das allemal wert.



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